Die wichtigsten Begriffe der buddhistischen Lehre:
Abhidhamma / Abhidharma:
Wörtliche Bedeutung: »höhere Lehre«. Dritter Teil des
Tipitaka (Dreikorbs) des
Pāli-Kanons, auf den sich primär der
Theravāda-Buddhismus
beruft. Systematisierung der buddhistischen Lehre.
Frühestes Kompendium buddhistischer Philosophie und Psychologie, in dem
die Lehren des Buddha und seiner Hauptschüler analysiert, geordnet
und systematisiert wurden. Alle geistigen und körperlich-materiellen
Prozesse werden mit Hilfe der
»Dharmas«,
letztendlicher Realitäten, erklärt und in einen logischen, nachvollziehbaren
und praktisch anwendbaren Ursache-Wirkungszusammenhang gebracht. Der Abhidhamma
besteht aus 7 Büchern, ist in
Pāli verfaßt
und genießt vor allem in Myanmar (Burma) höchste Bedeutung.
Der Abhidharma der Sarvastivada-Schule (einer späteren
Hinayana-
bzw.
Dhammayana-Schule
am Übergang zum
Mahayana),
in
Sanskrit verfasst,
besteht wie der Abdidhamma ebenfalls aus 7 Büchern, die aber z.T.
beträchtlich von diesem abweichen. Er ist nur in tibetischen und
chinesischen Übersetzungen erhalten.
Arahat / Arhant:
Arahat (
Pāli) bzw.
Arhant (
Sanskrit) bedeutet
»Der Befreite, Heilige, Erleuchtete«. Er hat alle Befleckungen
und Leidenschaften ausgelöscht, die Daseins-Fesseln überwunden,
stirbt nur mehr einen letzten Tod und wird nicht mehr wiedergeboren. Eines
der Erlösungsziele im
Dhammayana
bzw.
Hinayana.
Bodhisattva / Bodhisatta:
Bodhisattva (
Sanskrit) bzw. Bodhisatta
(
Pāli) bedeutet wörtlich
»Erleuchtungswesen«. Ein Bodhisattva ist ein Wesen, das durch
die systematische Ausübung der Tugendvollkommenheiten (Paramita)
die Buddhaschaft anstrebt. Im
Mahayana heißt
es, dass er jedoch solange auf das Eingehen ins vollständige
Nirvana verzichtet, bis alle Wesen erlöst
sind. Die sein Handeln bestimmende Eigenschaft ist Mitgefühl (Karuna),
getragen von Weisheit (
Prajna).
Dharma / Dhamma:
Dhamma (
Pāli) bzw. Dharma (
Sanskrit)
bedeutet wörtlich »das Tragende«. Gemeint ist die Lehre
des Buddha, die Wahrheit und Gesetzmäßigkeit, die der Buddha
erkannt, angewandt und gelehrt hat.
Dhammayana:
das Fahrzeug (
Yana) der Lehre (
Dharma).
Schulen des Buddhismus, in denen die Lehre des Buddha im Vordergrund steht:
Theravāda, Frühbuddhismus. Auch ursprünglicher Buddhismus, Pāli-Buddhismus
oder
Hinayana genannt.
Dukkha Sacca:
Erste der
Vier Edlen Wahrheiten: »Dies, Mönche,
ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden,
Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Zusammensein mit Unliebem ist Leiden,
Getrenntsein von Liebem ist Leiden, Nichterlangen, was man wünscht,
ist Leiden, kurz die fünf Anhaftungsgruppen ist Leiden (Upadana-Khandha).«
(MV 1,6 und S 56,11)
Hinayana:
»Kleines Fahrzeug« bzw. »minderes« Fahrzeug
Abschätziger Ausdruck von
Mahayana-Anhängern
für die Schulen des ursprünglichen oder Pāli-Buddhismus (
Dhammayana).
Das Hinayana wird auch manchmal als »südlicher Buddhismus«
bezeichnet, da es vor allem in den südlichen Ländern Asiens
verbreitet ist: Sri Lanka (Ceylon), Myanmar (Burma), Thailand, Laos, Kambodscha.
Von 18 ursprünglichen Hinayana-Schulen ist der Theravāda die einzig
durchgängige, heute existierende Tradition, die die Originallehre
authentisch bewahrt und verbreitet hat. Im Hinayana steht die Einzelerlösung
durch eigene Anstrengung im Vordergrund, die am Besten auf dem monastischen
Weg erreicht werden kann. Der Buddha wird nur als Lehrer und Wegweiser
gesehen den Weg gehen muß jeder selber. Das Ideal des
Arahats
wird betont und damit das Ziel Erlöschung, Erleuchtung, Befreiung
(
Nibbana / Nirvana).
Madhyamika:
Wörtliche Bedeutung: »Vertreter des Mittleren Weges«.
Schule des
Mahayana-Buddhismus, die von Nagarjuna
und Aryadeva begründet wurde. Es ist der mittlere Weg in Hinsicht
auf das Sein oder Nicht-Sein der Dinge. Der illusionäre Charakter
und die Relativität aller Erscheinungen wird aufgezeigt. Da alle
Phänomene in Abhängigkeit von bestimmten Bedingungen entstehen,
haben sie kein eigenes Sein und sind leer von einem unvergänglichen
Selbst. Ein Schlüsselbegriff der Madhyamika-Schule ist die Leere
(Sunyata): es ist die Leerheit von einem Selbst
und die Erlöstheit. Die Leere zu verwirklichen, heißt Befreiung
zu erlangen.
Magga Sacca:
Vierte der
Vier Edlen Wahrheiten: »Dies, Mönche,
ist die edle Wahrheit vom Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt:
Es ist der edle Achtfache Pfad (Magga), nämlich:
Rechte Ansicht (Samma Ditthi), Rechtes Denken (Samma
Sankappo), Rechte Rede (Samma Vaca), Rechte
Handlung (Samma Kammanto), Rechter Lebenserwerb
(Samma Ajivo), Rechte Anstrengung (Samma
Vayamo), Rechte Achtsamkeit (Samma Sati), Rechte
Konzentration (Samma Samadhi).« (MV 1,6 und S 56,11)
Mahayana:
»Großes Fahrzeug«. Entwickelte sich etwa um die Zeitwende
aus der Schule der
Mahasanghikas. »Großes
Fahrzeug« heißt es auch, weil es durch seine Vielfältigkeit
einer großen Anzahl von Menschen den Weg zur Erlösung öffnet,
ja, alle Wesen erlösen will. Das Mahayana wird auch manchmal als
»nördlicher Buddhismus« bezeichnet, da es vor allem in
den nördlichen Ländern Asiens verbreitet ist: Tibet, Mongolei,
China, Japan, Korea, Vietnam. Im Mahayana wird weniger Wert auf ein mönchisches
Leben gelegt; hier können auch Laien einfach das
Nirvana
verwirklichen, wobei sie auf die tätige Hilfe von Buddhas und
Bodhisattvas
zählen dürfen. Dem Mahayana eigen ist die Auffassung des transzendenten
Charakters des Buddha. Das Bodhisattva-Ideal und der Begriff der Leerheit (Sunyata),
der raumgleichen Natur unseres Geistes, wird betont.
Mahasanghika:
Angehörige der großen Gemeinde. Spalteten sich 100 Jahre nach
Buddhas Tod (383 v. Chr.) von den
Theravadins
(Angehörige der Schule der Alten) ab und behaupteten, in der Mehrheit
zu sein. Die Mahasanghikas werden als Vorläufer des
Mahayana
angesehen.
Nirvana / Nibbana:
Nibbana (
Pāli) bzw. Nirvana (
Sanskrit)
bedeutet »Erlöschen«. Höchstes und letztes Ziel im
Buddhismus. Nibbana ist eine letztendliche, überweltliche Realität,
frei von Entstehen und Vergehen, die es zu erfahren gilt. Es ist die restlose,
unumkehrbare Befreiung von allen Begrenzungen und unheilsamen Wurzeln, insbesondere
von Anhaftung, Abneigung und Unwissenheit, die absolute Leidfreiheit. Nibbana ist
der Ausstieg aus
Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten.
Nibbana kann bei Lebzeiten erlangt werden dann ist es das Erlöschen
der Geistestrübungen und Leidenschaften und im Tod ist es
das restlose Erlöschen auch aller Daseinsgruppen bzw. aller geistiger
und körperlicher Prozesse (Parinibbana).
Darüber hinaus bedeutet Nirvana im
Mahayana
auch Freiheit von Bindungen an Illusionen und Begierden, Erfahrung des
Eins-Seins mit dem Absoluten, Aufhören aller Trennung von Subjekt,
Objekt und Tat, und die Einheit von Samsara mit dem Transzendenten. Mit dem
Wegfallen aller Schleier zeigen sich die Qualitäten der innewohnenden
Buddhanatur.
Nirodha Sacca:
Dritte der
Vier Edlen Wahrheiten: »Dies, Mönche,
ist die edle Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Es ist das vollständige,
restlose Ende des Begehrens (Tanha), das Aufgeben,
die Entsagung, die Befreiung, die Loslösung davon.« (MV 1,6
und S 56,11)
Pāli-Kanon:
Grundlagenwerk der
Theravāda-Schule und des
Dhammayana.
Älteste schriftliche Fixierung des Buddhismus aus dem ersten Jahrhundert
v. Chr., auf Palmblättern in der Sprache Pāli und
in singhalesischen Schriftzeichen niedergeschrieben.
Pāli ist vermutlich
die Sprache, in der der Buddha lehrte. Der Pāli-Kanon gliedert sich in
drei Bereiche oder Körbe (
Tipitaka):1.
Vinaya
(Ordensregeln), 2.
Suttanta (Lehrreden), 3.
Abhidhamma
(systematisierte, höhere Lehre).
Samudaya Sacca:
Zweite der
Vier Edlen Wahrheiten: »Dies, Mönche,
ist die edle Wahrheit von der Ursache des Leidens: Es ist dieses Begehren
(tanha), das zur Wiedergeburt führt, das mit Freude und Vergnügen
verbunden ist, das mal hier und mal da Gefallen findet, nämlich:
Begehren nach der Sinnenlust, Begehren nach Dasein, Begehren nach Werden,
Begehren nach Vernichtung.« (MV 1,6 und S 56,11)
Samsara:
Wörtlich: »Wanderung«. Kreislauf der Existenzen bzw. der Wiedergurten.
Durch das Ursache- und Wirkungsgesetz des
Karma
sind wir an den unbefriedigenden, leidvollen Daseinskreislauf gebunden.
Die Gesetzmäßigkeit wird im »Bedingten Entstehen«
(Paticcasamuppada) erklärt. Ein Ausstieg ist
nur durch die Auflösung der Ursachen (Gier, Hass, Verblendung) möglich,
oder in anderen Worten durch das Erlangen von
Nibbana / Nirvana.
Sanskrit-Kanon:
Grundlagenwerk aller
Mahayana-Schulen und einiger
nicht mehr existenter
Hinayana-Schulen. Der Sanskrit-Kanon
wurde in der
Sanskrit-Sprache, einer Gelehrtensprache
der Brahmanen aus dem alten Indien, niedergeschrieben, ist aber größtenteils
nicht mehr erhalten. Übersetzungen ins Chinesische und Tibetische
sind vorhanden.
Sutra / Sutta
Die Suttas (
Pāli) bzw. Sutras (
Sanskrit)
sind die Lehrreden des Buddha oder seltener einer seiner
Hauptschüler, gegeben bei einem bestimmten Anlass an eine bestimmte
Person oder Personengruppe. Zweiter Teil des
Tipitaka
(Dreikorbes) des
Pāli-Kanons. Die Sutten / Sutren
wurden gesammelt und in fünf verschiedenen Sammlungen (Nikayas)
niedergeschrieben.
Theravāda:
»Schule der Ordensälteren«. Alte Schule bzw. Schule des
ursprünglichen Buddhismus. Einzige durchgehend erhaltene Tradition
der 18
Hinayana-Schulen. Heute vor allem in den
Ländern Südasiens verbreitet: Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand,
Laos, Kambodscha. Die Lehre ist im
Pāli-Kanon
verankert und wurde in insgesamt auf 6 Konzilen bestätigt.
Tipitaka/Tripitaka:
Tipitaka (
Pāli) bzw. Tripitaka (
Sanskrit)
bedeutet »Dreikorb«. Die drei Bereiche des
Pāli-Kanons,
wie sie uns in Pāli auf Palmblättern geschreiben überliefert
sind, nämlich:
-
Vinaya-Pitaka:
Korb der Ordensdisziplin (Regeln für Mönche und Nonnen)
-
Sutta-Pitaka:
Korb der Sutten, d.h. der Lehrreden des Buddha oder seiner engsten
Schüler
-
Abhidhamma-Pitaka:
Korb der »höheren« Lehre mit einer Systematisierung
der buddhistischen Lehre.
Vajrayana:
Wörtlich: »Diamant-Fahrzeug« auch »Diamantweg«. Schulrichtung des
Mahayana-Buddhismus,
die nach Übertragung durch die Mahasiddhas in Indien,
Mitte des 1. Jahrtausends vor allem im Himalaja-Raum
größere Verbreitung fand. Teilweise auch in China und Japan.
Arbeitet mit Identifikation & Sichtweise, Mantras (»erleuchtete«
Schwingungen), Visualisierungen und Mandalas. Erfordert einen Lehrer in ungebrochener Übertragungslinie.
Einweihungen und Praxis auf Meditationsaspekte.
Die schriftliche Fixierung der buddhistischen Tantras - Wörtlich: »verweben«
(hier von Leben und Praxis) - erfolgte erst später, daher nicht von
allen Schulen anerkannt.
Vinaya:
Ordensdisziplin. Ein Teil des
Tipitaka (Dreikorbes)
des
Pāli-Kanons. Die von Buddha selbst gegebenen
Lebens- und Verhaltensregeln für die Mönche und Nonnen in seinem
Orden. Für die Mönche wurden 227 Regeln (Bhikkhu-Patimokkha)
gegeben, für die Nonnen 311 (Bhikkhuni-Patimokkha). Im Vinaya ist
die Entwicklung des Ordens dokumentiert, die einzelnen Regeln werden aufgelistet,
erklärt und ihre Entstehungsgeschichte aufgeführt.
Yogacara:
Wörtlich: »das Ausüben des Yoga«.
Mahayana-Schule, gegründet von Maitreyanatha,
Asanga und Vasubandhu, die das Erkennen lehrt. Alles Wahrnehmbare wird
als »nur Geist« angesehen. Es gibt kein reales Objekt außerhalb
der Erfahrung und kein Subjekt der Erfahrung. Der Wahrnehmungsprozeß
wird mit Hilfe eines postulierten »Speicherbewusstseins«
(Alaya-Vijnana) erklärt. Lehre eines absoluten oder gemäßigten
Idealismus. Blütezeit im 6. Jahrhundert, insbesondere in der indischen
Klosteruniversität Nalanda.